Einkaufen, Ernstes

Markenvielfalt dank Kinderarbeit

Hach ja, ist der Kapitalismus nicht was feines? Gerade wir als Nordlichter hier sind ja für unseren Teefetisch berühmt, schließlich warb schon Giotto, also Ferrari… nein Ferrero schon mit “und was is’ mit Tee?”. Doch während man zu einstigen Zeiten einfach nur “Tee” und “Kaffee” bestellen konnte, ufert es heute etwas beängstigend aus.

Ich gebe zu, ich bin ein echtes Gewohnheitstier. Es dauert lange, bis ich mich an Neues anpasse, und ehrlich gesagt, verweigere ich mich auch vielem Neuen. Frühe hieß es “Rene, geh’ mal Tee holen“!” ich bin los in den Laden und hab Kekse… äh… Tee geholt. War die Packung in Quadratisch mit den vielen Beuteln. Gelegentlich gabs auch Hagebutten- oder anderen Früchtetee, aber zu Saft aufbereitet. So war das für uns Kinder halt kein Tee.

Genauso haben Leute früher zum Beispiel an der Eisdiele gesagt: “Einen Kaffee bitte!” und bekamen einen Kaffee. Bäm. Fertig. Aber das Leben wäre nicht das Leben, wenn es den komplexesten Weg geht, den es gibt. Da dachte sich Ende der 90er irgendein windiger Geschäftsmann also auf seinem Weg durch die Slums von Indien, dass die ganzen Kinder hier doch eigentlich ganz gut Arbeiten könnten. Hat in Deutschland ja auch gut geklappt, und mal ehrlich, wer mit zwei schon verheiratet werden kann, der kann doch auch mit Fünf schon Kaffeebohnen und Teepflanzen ernten, oder?

Bevor windige weiße Ritter oder graue Zauberer oder Schwarzfahrer mich jetzt anpflaumen, dass ich da jetzt total überspitzt schreibe – Ich glaube, ihr seid hier falsch. Aber zurück zu unserem Geschäftsmann auf seinem Monatlichen Urlaub. Nun ist er also im Besitz von ein paar Tonnen Kaffee und Tee. Bloß, der Markt ist gesättigt. Niemand kauft noch simple Teeblätter oder Kaffeebohnen von einem Niemand. Also muss was neues her und am besten was Zugstarkes… hmmm… der Tee wurde auf der Insel Darjeeling geerntet. Darjeeling klingt so ähnlich wie “Darling”, zu Deutsch “Schatz” in Beziehungstechnischer Hinsicht. Ist ja fest schon wie ein Geschenk eines imaginären Freundes einer bestimmten Religionsgruppe.

Und wieder vorwärts in der Zeit zu heute: Bestellt mal heute in einem euch unbekannten Restaurant einen “Kaffee”. Oder noch Besser: Bei Starbucks! Wenn ihr an den ganzen Apple-Jüngern vorbei kommt, die dann bei denen im WLAN sitzen, weil die Hardware so teuer war, dass diese Wohnung, Auto und alles andere verkaufen mussten. Ich komme wieder vom Thema ab, also, bestellt da mal ganz simpel einen Kaffee. Und dann zählt die einzelnen Wörter, die sie euch entgegenwerfen. Je 10 Wörter gibt einen Punkt, ich nenne das ganze Spiel “Kaffeerailing”, weil man am Ende eh ungenießbares Gesöff bekommt, was man nicht einmal einem Obdachlosen andrehen möchte aus Angst vor Schmerzensgeldforderungen.

In meinem Wirren Kopf ist eine Kaffee Latte immer noch eine heiße hübsch anzusehede Frau in einem Café, und kein Bohnensaft im Thermosbecher. Eigentlich fehlt bei diesen Kaffeeschubsen ja noch die Frage “Wollen sie ihren entkoffeeinierten Latte Macciato mit einem Schuß Himbeer an Veggie-Soja-Laktosefreier Milch lieber von schwarzen oder weißen Kinderhänden gepflückt? Mit oder ohne Mindestlohn?” Zumindest finde ich die Frage dann wenigstens fair. Die Frage, ob man sein Getränk dann auch noch vegetarisch möchte, ist dann der Knaller schlechthin! Ich meine, es ist fucking Kaffee! Auf gottverdammten fucking Bohnen, von gottverdammten fucking Sträuchern (oder bei der gehobeneren 30.000€/500g-Variante: auf dem gottverdammten fucking Arsch eines gottverdammten fucking Tiers)! Wie vegetarischer kann das denn noch werden!?

Und nun, wünsche ich euch viel Spaß, während ich einen TEE mit MILCH und ZUCKER trinke. Ganz klassisch aus dem Becher, aufgebrüht mit heißem Wasser, und heiß genossen. Prost!

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