Vom Tod und der Bewältigung der Vergangenheit

Hi.

Einfach machen. Einfach von der Seele schreiben. Ich trage etwas in mir herum, das ich einfach mal hier niederschreiben muss.

Es hat sich wieder gejährt. Meinen Zweiten Geburtstag, wie ich ihn scherzhaft bezeichne, versteckt hinter einer Maske der Fröhlichkeit und des Humors. In der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November, vor einer Dekade, wollte ich alledem, was ich erlebt hatte, ein Ende setzen.

Es war eine Reaktion aus Reflex, ein automatischer Prozess. In diesem Moment war niemand mehr „zuhause“, wo auch immer die Seele oder der Geist sitzt. Ich lief auf Autopilot. Zu diesem Ort.

Hier bin ich hin.

Ich mag diesen Ort bis heute nur ungern besuchen. Er zeigt mir meinen Schwächsten Moment. Er erinnert mich an ein selbstgewähltes Ende auf meinen eigenen Bedingungen. Hier saß ich, vor so gefühlt langer Zeit, fertig, mit alledem abzuschließen. Der Lebensunfähigkeit ein Ende zu setzen. Des Mobbing zu entkommen. Niemandem mehr eine Bürde zu sein.

Ich saß auf diesen Gleisen, wartete auf den Nachtzug aus Bremen, der immer mit höherer Geschwindigkeit in die Stadt einfuhr als die aus Esens oder Oldenburg. Ein letztes Mal darüber Nachdenken, wen ich zurücklassen würde. Wer mich vermutlich vermissen würde. In meinem geistesabwesendem Status war ich ehrlich gesagt, nicht überzeugt, dass mich irgendwer vermissen würde. Schließlich war ich nur Ballast.

An diesem Abend starb René. Aus Selbstschutz. Aus Selbsthass. Aber nicht an einem vorbeifahrendem Zug.

Durch die naturgegebene Verspätung von Bahn bekam ich mehr Zeit zum Denken als geplant war. Und, wie das Klicken eines kleinen Schalters, kam die Idee, dass Ich es mal mit Hilfe versuchen sollte. Unabhängiger Hilfe. Menschen die nicht sagen „Das wird schon wieder!“ oder „Andere habens viel Schlimmer als du!“, oder auch „Lächle doch einfach mal!“. Depressionen sind ein dunkles Monster in deinen Gedanken, die alle deine Ideen, alle deine Vorhaben mit einem „Wozu?“ anzweifeln.

Doch ich ging. Den schwersten Weg meines Lebens. Ins Krankenhaus. In die Psychiatrie. Abstand gewinnen. Mit jemandem Reden, der mich nicht kennt. Der mir in die Seele schauen darf. Ganz unten ankommen.

Für mich war das wie ein Neustart. Reboot, Reset, Werkseinstellungen. Seit der Zeit existiert Dex. Die Maske, die den Menschen verbirgt, der ich mal war. Aus Selbstschutz aufgebaut, um nicht wieder so zu werden, wie ich war.

Ich bin nicht mehr der, der ich mal war. Ich will es auch nie wieder sein. Dex, die Maske zum Selbstschutz ist mein Ich geworden. Ein Ich, das funktioniert und manchmal Sorgen auch Sorgen sein lassen kann. Ein Ich, das sich traut, Probleme anzugehen und sie zu besiegen.

Mein Motto für 2019 ist irgendwie Logisch geworden. „Einfach Machen“. Dinge angehen. Etwas offensiver werden. Sich trauen. Und Altlasten loswerden.