Wie sich die Welt ändert…

Mir war Politik immer wichtig. Lokalpolitik, Kreispolitik, Landespolitik und so weiter. Ich habe die letzten Wahlen damit verbracht, freiwillig das Gespräch mit Protestwählern zu suchen, die sonst aus Protest eine der Demokratie oder der Lokalität schadende Partei gewählt hätten. Ohne Entgelt. Einfach eine zivile und sinnvolle Diskussion. Nicht als Parteimitglied, sondern als Neutrale Person – Ohne auf die Farben zu achen, sondern auf simplen Fakten basierend. Nicht überzeugend und erzwingend, sondern Kompromisse suchend. Nicht nach dem Motto „Dex weiß es am besten!“ sondern „Dex möchte Beweggründe und Argumente hören und verstehen.“.

Kompromisse und Diskussionen sind, meiner Meinung nach, das primäre Instrument eines gesunden Demokratischen Verständnisses. Wenn man nicht miteinander Reden kann, wie soll man dann einen Konsens im Sinne Aller finden? Doch dieses Jahr, zur Europawahl, finde ich keine Kraft, keinen Antrieb rauszugehen, und mit Menschen darüber zu sprechen. In mir wächst der Satz: „Sollen sie Ernten, was sie gesät haben.“

Zum ersten mal in meinen 30 Jahren des Lebens habe ich keinen Glauben mehr an die EU. Warum? Die Abstimmung über den Artikel 13 (jetzt 17) und die Schlammschlacht seitens der Befürworter auf die Proteste von Millionen Menschen, von Jung bis Alt, von Laie bis Experte, von Noob bis Netzgeborener. Es wurde immer, in den Letzten Jahren Politikverdrossenheit angeprangert, die Wahlbeteiligung sank rapide. Jetzt organisiert sich eine gigantische Petition von über FÜNF MILLIONEN Menschen, fast eine Viertelmillion Menschen gingen als Protest auf die Straße, und dennoch…

…waren wir erst alle Bots, weil wir Google Mail benutzt haben…
Quelle: https://twitter.com/schulzeeuropa/status/1096445520770404352
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…und Instrumentalisiert von den IT-Giganten…
Quelle: https://twitter.com/MHohlmeier/status/1096099874938982400
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…dann leakte ein Beitrag der EU, der uns als fremdgesteuerter Mob darstellte, der den „Leuchtenden Blau-Goldenen EU-Ritter für den Drachen erschlagen solle“. Kein Witz, das kommt TATSÄCHLICH hier drin vor. (Archiv, weil die EU das dann doch wieder gelöscht hat.)

Über die Laufzeit der Petition, verkam die Kommunikation der Europäischen Fraktion der CDU/CSU so sehr zur Schlammschlacht, dass sie sogar ihre eigene Partei innerhalb von Deutschland Angriff.

Der Niedersächsische CDU-Vorsitzende Bernd Althusmann, der sich tatsächlich schon gegen die Reform starkgemacht hatte, wird persönlich von Axel Voss angegriffen.
Quelle: https://twitter.com/AxelVossMdEP/status/1096079281476648960
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Zwischenzeitlich hatte Herr Voss „vorgeschlagene Schlüsselwörter“ mit „Rubriken“ verwechselt und schien mit seiner Netzgewandtheit gegen Aktivisten im EU Parlament pöbeln zu müssen…
Quelle: https://twitter.com/CDU_CSU_EP/status/1108372306101968901
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…was dann auch die Netzpolitische Abteilung der CDU etwas stark daneben fand.
Quelle: https://twitter.com/MatthiasHauer/status/1108409766039244802
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Es eskalierte dann absolut am Tag der Europaweiten Demonstrationen – Herr Caspary von der CDU/CSU gab der Bild (einem Hassblatt der Springer-Presse) ein kleines Interview…

Noch während der Demonstration von zweihunderttausend Menschen wird uns vorgeworfen, wir würden alle für das Engagement bezahlt.
Quelle: https://twitter.com/CDU_CSU_EP/status/1109467763825889281
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Die Welt hingegen, als… oh warte, ist auch Springer. Die verglich die Demonstranten indirekt mit der Hitlerjugend:

Warum der Springer-Verlag so ein großes Interesse am Durchkommen der Reform hat?

Wer angesichts einer solchen Übermacht vor Anti-Bürger-Lobbying noch nicht aufgegeben hat, hat meinen Respekt. Ich werde auch meine Kreuze machen, da wo ich sie für richtig halte, bei denen, die während der gesamten Kampagne zu uns Bürgern gehalten haben.

Ich bin desillusioniert. Die EU ist… oder für mich eher, war eine interessante Institution, die Länder untereinander verbinden konnte, eine Gemeinschaft mit Rechtkonsultation schaffen, und sich gegenseitig Sozioökonomisch unterstützen. Stattdessen wird harter Lobbyismus betrieben, in letzter Sekunde vor der Wahl noch von einem Musiklabel zum Champagner und Dinner eingeladen.

Die Einladung eines Musiklabels namens ImpalaMusic. Es stinkt nach Bestechung.

Eine Lobbyorganisation darf einen von Ihnen produzierten Werbespot auf dem Offiziellen EU-Parlaments-Twitter produzieren und, zu guter Letzt, gab es am Tag der Abstimmung noch eine Kostenlose Zeitung für die Abgeordneten zur Wahl, die mit „Wählt JA!“ in allen Sprachen übersät ist.

Ich weiß diesesmal echt nicht, wie es ausgehen wird. Die Proteste werden lauter und die EU wird unweigerlich darunter leiden. Ich erwarte auch einen regen Zustrom an Protestwählern seitens EU-Kritischen Parteien. Und diesesmal…

…habe ich keine Lust mehr, Alternativen auszusprechen.