Bin ich genug? Das Leben mit Depressionen

Uff. Einfach nur Uff. Wie geht man mit so etwas um? Depressionen. Ein schwieriges Wort. Doch wenn man nicht drüber redet, wird es für immer ein Mythoswort, eine „Weichei-Krankheit“, für manche sogar eine Abwertende Beleidigung bleiben.

Wirklich Depressiv bin ich wohl schon mein ganzes Leben. Man kannte es nur nicht wirklich, aber seit ich zurückdenken kann, war immer eine Frage prävalent in meinem Leben: Bin ich gut genug? Darf ich sowas überhaupt? Steht jemandem meines „Standes“ das überhaupt zu?

Diese Fragen stelle ich mir nicht willentlich selbst. Sie sind einfach… da. Einfach so. Es gibt da kein „Ja dann denk halt an was anderes!“ oder „Das ist nur dein schlechtes Mindset“, sondern es ist ein Monster aus unkontrollierten, Unterbewussten Gedanken. Schwarz, finster und jederzeit über meine Schulter lugend, alles in Frage stellend was ich tue und was ich tat. Jede möglcihe Entscheidung stellt sich vor mir dar und fast jede… ja fast jede verläuft negativ.

Diese Negativität ist nicht freiwillig. Sie kann vielleicht zynischer Natur sein, aber sie ist nie freiwillig Teil meines Wesens. In meiner Kindheit war körperliche Züchtigung noch Teil der Erziehung. Ich fand früher auch, dass es mich zu einem besseren Menschen gemacht hat – Disziplin und Respekt gelehrt hat. Heute weiß ich nur eines: Es hat mich gebrochen. Ich gebe keinem meiner Elternteile heute die Schuld an dem was geschehen ist. Ich nehme ihnen das nicht Übel. Ich möchte auch nicht, dass jemand anders hier Kreuzritter spielt und meint, sie sind heute dafür schlechte Menschen. Aber statt einem Besseren Menschen ist aus mir eine Gebrochene Person geworden. Willensstark, aber Kaputt. Intelligent, aber Kaputt. Diskussionsfreudig, aber Kaputt.

Für mich sind heute andere viel wichtiger als mein eigenes Wohlbefinden. Andere, wenige, die ich Freunde nennen darf. Die so viel für mich tun, und doch ist die Stimme wieder da: „Ist das genug? Verdienst du diese Freundschaften überhaupt? Bist du diese Menschen überhaupt wert?“. Ich KANN es nicht kontrollieren. Es steht nicht in meiner Macht, daran etwas zu ändern. Und das zieht mich runter. Denn diese Gedanken sorgen dafür, dass ich mich für weniger wert halte.

Alles Gute, was mir widerfährt, zieht Wochen, wenn nicht gar Monate an Gewissensbissen nach sich. Verdiene ich das überhaupt? Andere können das sicher besser gebrauchen! Nehme ich damit nicht echten Bedürftigen was weg? Ich verdiene das doch gar nicht. So viele Gedanken, so viele Gewissensbisse, so viel Nachdenken zieht sich um jede. Einzelne. Entscheidung.

Ich gewöhne mir mittlerweile auch an, häufiger mal Danke zu sagen. Das finstere Monster in den Gedanken assoziiert dieses Danke immer mit einer Bedingungslosen Annahme einer Tat, eines Gegenstands oder eines Hinweises, den ich nicht verdiene. Gerade das Streamen auf Twitch beispielsweise hilft mir enorm bei der Bewältigung dieses Gedankenstigmas.

Es ist ein langsamer Wandlungsprozess. Wenn ihr mir etwas gutes tun möchtet, seid nicht böse, wenn ich zögere, oder mal das danke „vergesse“. Ich tue mein Bestes, um diese Soziale Normen zu lernen, zu verwenden, ohne, dass die Würgeschlange von Depression dabei mir alles kaputtmachen möchte.

Denn für mich bleibt immer die Frage aus dem Hinterkopf: Bin ich genug?